Ehrenmitglied Paul Wohlgenannt verstorben
- Admin
- vor 7 Tagen
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Der Förderung von Kindern widmete er sein Leben
In der Nacht auf den 24. Jänner ist unser Ehrenmitglied Paul Wohlgenannt im Alter von 84 Jahren verstorben. Zwei Tage zuvor hatte er sich im Landeskrankenhaus Bregenz einer Hüftoperation unterzogen, die wegen zuletzt unerträglicher Schmerzen nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Der schwerwiegende Eingriff verlief zunächst erfolgreich, aber Paul und seine Familie wussten um das alters- und gesundheitsbedingte Risiko. In der Nacht auf Samstag hat er den Kampf um sein Leben verloren.
Damit trauert der FC Wolfurt knapp drei Monate nach Herbert Gmeinder um ein weiteres verdientes Ehrenmitglied, mehr noch: um eine Vereinslegende. Mehr als 15 Jahre lang war Paul als kompromissloser Verteidiger und langjähriger Kapitän eine tragende Säule der Kampfmannschaft und Mitglied jenes Teams, das 1966 Landesligameister wurde und den FC Wolfurt für vier Jahre in die Regionalliga West brachte – damals Österreichs zweithöchste Spielklasse.
Der sportliche Erfolg war Paul auch wichtig, stets aber ordnete er alles dem Wohl des Vereins unter. Kameradschaft und Zusammenhalt im Verein, gesellige Stunden, herrliche Jassabende und unvergessliche Ausflüge (vor allem in sein geliebtes Kleinwalsertal) miteinander zu erleben, das war Paul. So war er über die Jahrzehnte auch eine moralische Instanz, die von allen Funktionären, Spielern, Mitgliedern und Fans des FC Wolfurt gleichermaßen geschätzt und geehrt wurde.
Kinder bedeuteten ihm alles
Pauls Zuneigung und Aufmerksamkeit gehörte 40 Jahre lang vor allem den Kindern des Vereins. Ihnen wollte er mehr bieten, als er selbst erlebt hatte: Bis zu drei Stunden (ein Weg!) war Paul als Schüler mit seinen Freunden von Riezlern (Kleinwalsertal) nach Fischen im Allgäu zu Fuß gegangen, um dem runden Leder nachjagen zu können. Im Herbst 1961 wurde für den Junglehrer eine Stelle in Wolfurt frei, aber für eine Anmeldung beim FC war es zu spät, und so ging ein Jahr verloren. Oder doch nicht: Paul begann sich in der Nachwuchsarbeit des Vereins zu engagieren – eine Leidenschaft, die ihn mehr als 40 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung als Direktor der Volksschule Bütze begleiten sollte. Hunderte Kinder führte er höchstpersönlich an unzähligen Nachmittagen mit dem Fahrrad ins Flotzbach, Generationen von „Einsspielern“ lernten bei Paul das Fußball-ABC. Und alle schwärmen sie heute noch von ihrem Trainer, der nie ein lautes oder gar böses Wort brauchte und immer an sie glaubte.
Der FC Wolfurt an der Kippe
Dass Paul Wohlgenannt im Jahr 1986 für vier Jahre auch noch Obmann des FC Wolfurt wurde, war für ihn nicht der Höhepunkt seiner Vereinskarriere, sondern ein Ereignis, das er in Kauf nahm, um den Verein zu retten. Nicht mehr und nicht weniger. Bei einer denkwürden Jahreshauptversammlung im Gasthaus „Sternen“ war es schon ganz weit nach Mitternacht, als immer noch keiner den Obmann machen wollte und Paul mit einem legendären Satz die Situation rettete: „Ich habe meiner Frau Ursula versprochen, es sicher nicht zu tun. Jetzt mache ich das genaue Gegenteil – ich übernehme“. Der FC Wolfurt hatte wieder einen Obmann. Es sollten vier Jahre werden, die wie zum Dank für diesen enormen Freundschaftsdienst mit einem der größten Triumphe der Vereinsgeschichte zu Ende gingen – dem Sieg im VFV-Cup gegen den SCR Altach und dem anschließenden Jahrhundertspiel gegen den FC Tirol unter Ernst Happel.
30 Jahre Einsatz für die Ärmsten in Albanien
Auch nach dem Übertritt in die „FC-Pension“ widmete Paul einen Großteil seiner freien Zeit mit Enthusiasmus vor allem Kindern. 1995 hat er gemeinsam mit seiner Frau Ursula die Organisation „Schüler helfen Schülern“ gegründet, um in Mirdite, der ärmsten Region Albaniens, Mädchen und Buben sowie deren Familien Hoffnung zu geben. Schulen und Kindergärten wurden renoviert und neu gebaut, Lebensmittel verteilt, Lehrer ausgebildet und Schulsachen organisiert. Zusätzlich bietet das Jugendheim-Projekt ASTA seit zwei Jahrzehnten den ärmsten Kindern der Stadt Shkodra Unterschlupf und menschliche Wärme, einmal pro Tag eine warme Mahlzeit und schulische Unterstützung. Bis zuletzt waren Ursula und Paul fast täglich für ihr Lebensprojekt im Einsatz, das jetzt erfreulicherweise von ihren Kindern, Enkeln, Nichten und Neffen weitergeführt werden wird.
Die FC-Familie verneigt sich vor einem Mann, der wie kaum ein anderer über Jahrzehnte in verschiedensten Funktionen das Gesicht des Vereins geprägt hat. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Frau Ursula, die ihn bei seinem Einsatz für andere stets unterstützt und begleitet hat, sowie ihren Kindern Petra und Claudia mit Familien und der großen Verwandtschaft im Kleinwalsertal.
Du wirst immer ein Teil von uns bleiben, lieber Paul.
1 Paul als Spieler der Kampfmannschaft, 1966
2 Unvergessliche Ausflüge des FCW-Reserveteams ins Kleinwalsertal
3 Mitglied der Meistermannschaft von 1966 unter Obmann Otto Fitz und Trainer Ferdl Scheffknecht
4 Beim legendären Rosenmontag-Ball des FCW im Vereinshaus – mit Gattin Ursula (2.v.r.), Heinz Renninger sowie Herbert und Mary Gmeinder
5 Stolzer Obmann beim Cupsieg 1990 mit Bürgermeister Erwin Mohr und Trainer Hubert Bachmann
6 Paul als Jugendleiter – mit Trainer Gerhard Greinix und dem U10-Team von 1989















